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News (public)


23.12.2008

Fortschritt auf breiter Front erzielt

Das Jahr eins der Exzellenzuniversität Heidelberg – Prorektoren und Dekane über die Dimensionen der Ruperto Carola – Dynamische Entwicklung
Trotz ihrer langen Geschichte dürfte die Universität Heidelberg 2008, im ersten vollen Kalenderjahr der Exzellenz, eine einzigartige Situation durchlaufen haben. Sicherlich gab es auch in den zurückliegenden Jahrhunderten für die 1386 gegründete Ruperto Carola mit Blütezeiten und tiefen Einschnitten markante historische Wendepunkte. Aber im Hinblick auf den gegenwärtigen Fortschritt auf breiter Front, wie er in der abgeschlossenen Interviewserie der Rhein-Neckar-Zeitung „Die Universität Heidelberg in den Zeiten der Exzellenz“ zutage trat, fällt es doch schwer, eine geschichtliche Parallele zu finden.

In der Rhein-Neckar-Zeitung hat zuletzt vor 22 Jahren – im Rahmen der 600-Jahr-Feier der Ruperto Carola 1986 – eine systematische Darstellung der Heidelberger Fakultäten stattgefunden. Die jetzige Gesprächsreihe beleuchtete sämtliche zwölf Fakultäten wie auch die universitären Ressorts der drei Prorektoren. Bereits im Vorfeld hatte Rektor Bernhard Eitel in zwei Interviews zu den baulichen Perspektiven der Universität sowie zu den Heidelberger Geo- und Umweltwissenschaften Stellung genommen Nun liegt ein Überblick über das – man darf wohl sagen – historische Jahr 2008 der Ruperto Carola vor, die als älteste deutsche Universität 2011 ihr 625-Jahr-Jubiläum begeht. In der aktuellen 15-teiligen Interviewserie konnte man eine Ahnung von der realen Bedeutung des Schlagwortes „Volluniversität“ bekommen, deren Spektrum von der Assyriologie bis zur Zoologie, von der Urgeschichte bis zum Urknall reicht. Und es war zu beobachten, dass die Exzellenzinitiative keinen Universitätsbereich unbeeinflusst lässt. Im Hinblick auf Naturwissenschaften und Medizin einerseits sowie auf Geistes- und Sozialwissenschaften andererseits fällt der generelle Fortschritt sicherlich asymmetrisch aus. Wie die gesamte Exzellenzinitiative vorzugsweise auf den naturwissenschaftlichen Sektor zugeschnitten ist, so profitiert dieser auch in Heidelberg besonders stark von den Fördermaßnahmen. Und Kurt Roth, Prorektor für Forschung und Struktur, stellte im Gespräch fest, dass die Naturwissenschaften einen „rasanten Forschritt“ erleben, während die Entwicklung in „Teilen der Geistes- und Sozialwissenschaften eher zögerlich“ verläuft.

Andererseits gab es in Heidelberg auch bedeutende Erfolge der Geistes- und Sozialwissenschaften. In erster Linie zu nennen ist das Exzellenz-Cluster „Asien und Europa“. Spektakulär ist auch das Vorrücken der Geisteswissenschaften in den britischen „THE-QS World University Rankings“, die nun mit den Heidelberger Lebenswissenschaften gleichgezogen haben. Schließlich ist es das oberste Ziel des neuen, aus der Exzellenzinitiative erwachsenen Marsilius-Kollegs, Brücken zwischen den unterschiedlichen Wissenschaftskulturen zu bauen. Die insgesamt dynamische Entwicklung der jungen Exzellenzuniversität zeigte sich auch in den Interviews mit den beiden Prorektoren Vera Nünnung und Thomas Pfeiffer. Im Auftaktgespräch der Serie mit Vera Nünning, der Prorektorin für Internationale Beziehungen, wurde deutlich, dass die Universität Heidelberg auf allen Kontinenten aktiv ist. Im Vordergrund stand das 2008 eröffnete Verbindungsbüro in New York, das als „Tor nach Nordamerika“ fungieren soll. Die Internationalität der Ruperto Carola spielt auch im Zuständigkeitsbereich Thomas Pfeiffers, des Prorektors für Lehre und Kommunikation, eine wichtige Rolle. Durch weitere englischsprachige Veranstaltungen will die Universität weltweit noch attraktiver werden. Mit derzeit etwa 20 Prozent Ausländeranteil an der Studierendenzahl hält sie das Optimum noch nicht für erreicht.

Der große Elan der Ruperto Carola durchzog die gesamte Interviewserie. Hob Claus R. Bartram als erster Dekan die große Aufbruchstimmung an der Medizinischen Fakultät Heidelberg hervor, so sprach Dekan Klaus van Ackern im letzten Seriengespräch vom „Geist des Aufbruchs“, der an der Medizinischen Fakultät Mannheim herrscht. Und nachdem bereits zwei Dekane von nobelpreiswürdigen Leistungen in ihren naturwissenschaftlichen Fakultäten gesprochen hatten, ging mit dem Medizinnobelpreis für den Krebsforscher Harald zur Hausen diese höchste wissenschaftliche Ehrung tatsächlich wieder einmal nach Heidelberg.

Im Hinblick auf die beiden medizinischen Fakultäten der Ruperto Carola ist für den Heidelberger Standort vor allem die intensiv vernetzte Wissenschaftsarena im Neuenheimer Feld charakteristisch, etwa mit dem Highlight des Schwerionen-Therapie-Zentrums. Gemeinsam mit ihrer Heidelberger Schwesterfakultät versorgt die Medizinische Fakultät Mannheim 2,2 Millionen Einwohner in der Rhein-Neckar-Region. Zusammen bilden die beiden Klinika in Heidelberg und Mannheim eines der größten universitären Betten-Konglomerate in Deutschland.

Für die Fakultät für Biowissenschaften hat Dekan Thomas W. Holstein betont, dass ihre Forschungsfelder eindeutig von der Molekularbiologie dominiert werden. Neue wissenschaftliche Strukturen entstehen durch die Bildung von Zentren, die ihren Kern in der Fakultät haben, in der Forschung jedoch mit anderen Fakultäten vernetzt sind. Große internationale Kollaborationen stehen im Zentrum der Fakultät für Physik und Astronomie, wie Dekan Matthias Bartelmann ausgeführt hat. In der Physik ragt das spektakulär vor der Weltöffentlichkeit gestartete riesige Beschleunigerexperiment des Large Hadron Collider (LHC) am CERN bei Genf hervor. Die Heidelberger Astronomie ist an den großen erdgestützten Teleskopen in Chile und im US-Staat Arizona beteiligt, zudem am James-Webb-Weltraumteleskop und an mehreren Satelliten.

Sowohl Aufbruch als auch Umbruch finden sich in der Fakultät für Chemie und Geowissenschaften. Im Hinblick auf die Chemie verweist Dekan Lutz Gade auf das bedeutende Industry on Campus-Projekt des Katalyselabors CaRLa sowie auf die Entwicklung neuer Materialien im Rahmen des erfolgreichen Spitzenclusterantrages „Forum Organic Electronics“. Die umstrukturierten Geowissenschaften sollen in den Umweltwissenschaften einen neuen Schwerpunkt erhalten. In der Fakultät für Mathematik und Informatik wurde im Rahmen der Exzellenzinitiative das MAThematics Center Heidelberg (Match) eingerichtet. Dekan Rainer Weissauer hat darauf hingewiesen, dass sich heute mathematische Anwendungen bei Bankautomaten, im Internet oder bei Handys finden. An der Berliner Straße ist ein „Mathematikon“ geplant.

Eine über Deutschland hinaus sichtbare Forschung betreibt die Theologische Fakultät in dem noch jungen „Forschungszentrum Internationale und Interdisziplinäre Theologie“. Dekan Manfred Oeming hat betont, dass diese Einrichtung Kooperationen mit anderen Teilen der Universität etwa in den Bereichen Altersforschung, Medizinethik und Menschenwürde ermöglicht. Zum Profil der Juristischen Fakultät gehört die internationale, insbesondere die europäische Ausrichtung in allen Bereichen des Rechts, wie Dekan Burkhard Hess unterstrichen hat. Zu den internationalen Projekten der Fakultät zählen in Osteuropa wissenschaftliche Engagements an der Andrassy-Universität in Budapest und an der Schule des deutschen Rechts in Krakau. Die stark international orientierte Philosophische Fakultät wird in Zukunft verstärkt zu einer Perspektive der Globalität übergehen. Dekan Dietrich Löwe hat deutlich gemacht, dass die Exzellenz der Fakultät auch aus ihrer Vielgestaltigkeit erwächst, die erheblich zur weltweiten Attraktion der Ruperto Carola beiträgt. Auf der Weltkarte mit Aktivitäten der Philosophischen Fakultät zählen Süd- und Ostasien zu den Trümpfen im Hinblick auf die internationale Ausrichtung der Universität eröffnen sich für die Neuphilologische Fakultät mit ihrer Sprachenvielfalt große Chancen.

Dekanin Christiane von Stutterheim hat hervorgehoben, dass eine Kernfunktion der Fakultät in der Verbindung und Vermittlung europäischer Kulturen besteht. Hinzu kommen langjährige Kooperationen über Europa hinaus. Teile der Fakultät haben einen besonders hohen Frauenanteil unter den Studierenden. Sowohl im nationalen als auch im internationalen Vergleich sieht sich die Fakultät für Verhaltens- und empirische Kulturwissenschaften gut aufgestellt. Nach Auskunft von Dekan Andreas Kruse ehen folgende zukunftsträchtige Themen für die Fakultät im Zentrum: Bildung, Entwicklungsberatung in den verschiedenen Lebensaltern, Psychotherapie, demografischer Wandel, nationale und internationale Politikberatung, Prävention sowie Rehabilitation in Sport und Bildung oder auch Migration.

In der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften findet ein Umbau der Wirtschaftswissenschaften statt. Diese werden auf die verhaltenswissenschaftliche Ökonomie – die „Behavioral Economics“ – ausgerichtet, wie Dekan Manfred G. Schmidt dargelegt hat. Das neue Aushängeschild der Wirtschaftswissenschaften ist die „Politische Ökonomik“. Für die gesamte Fakultät eröffnen Europäisierung und Globalisierung Forschungsfelder von großem Zukunftspotential.
Heribert Vogt
© Rhein-Neckar-Zeiung

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Irene Thewalt
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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